Essenzen auf Reisen
mit Pirmin im Tessin
Pirmin über drei Tage Essenzen auf Reisen – über Erinnerungen, Widerstand, gute Fragen und darüber, warum ein wenig Abstand vom Alltag manchmal hilft, sich selbst näherzukommen.
"Bei mir hat sich vieles bewegt."
Raus aus dem Alltag
Auch für Pirmin war die räumliche Distanz zum Alltag hilfreich: raus aus dem Bekannten, hinein in die Natur – und gleichzeitig an einen geschützten Ort, an dem ungestörtes Forschen möglich ist.
So fiel es ihm leichter, den Fokus immer wieder auf sich selbst zu richten und inneren Raum entstehen zu lassen, in dem Erinnerungen, Gefühle und neue Erkenntnisse auftauchen konnten.
Da wir drei Tage fast ununterbrochen miteinander verbrachten, folgte auch diese Reise keinem starren Ablauf. Unsere gemeinsame Forschung war nicht auf einzelne Gespräche oder „Sessions“ begrenzt. Themen bewegten sich weiter – während einer Wanderung, bei einem Kaffee im Restaurant, beim gemeinsamen Essen oder manchmal ganz unerwartet zwischendurch.
Die Reise selbst wurde so zu einem Teil der Begleitung.
Was im Außen kaum jemand sieht
Trigger-Reaktion
Beim Forschen an Pirmins Trigger-Reaktion zeigte sich etwas Spannendes: Im Außen ist seine Reaktion teilweise kaum wahrnehmbar. Sehr vieles geschieht in ihm.
Wird seine Urwunde berührt, läuft innerlich ein intensiver Prozess ab. Wut oder Aggression nach außen zu zeigen, war für sein „System“ lange ein absolutes No-Go. Vieles wurde deshalb im Inneren verarbeitet – ohne dass sein Gegenüber unbedingt wahrnehmen konnte, was gerade in ihm geschieht.
Pirmin beschreibt, dass dieser Prozess durchaus intensiv und sogar körperlich spürbar wird – besonders in seiner Bauchgegend.
Für mich zeigt sich darin sehr schön, was durch die Arbeit mit dem Essenz-Modell und die gemeinsame Begleitung möglich wird: Etwas, das bisher weitgehend unbewusst ablief, wird sichtbar und damit zunehmend bewusst wahrnehmbar – es darf in die Veränderung gehen.
Belohnung – die tiefste Sehnsucht
„Da habe ich sicher noch Potenzial, das mehr einzufordern.“
Ein weiterer wichtiger Schritt war für Pirmin, seine Belohnung – seine tiefste Sehnsucht – klarer wahrzunehmen.
Er konnte erkennen, dass er auf etwas, das sich für ihn erfüllend, angenehm und wohltuend anfühlt, unbewusst häufig verzichtet. Etwas, von dem eigentlich viel mehr in sein Leben treten darf.
Und vielleicht liegt genau darin eine wichtige Veränderung: Die eigene Sehnsucht nicht nur zu kennen, sondern ihr auch Raum zu geben und sie auszusprechen.
Gerade in einer Partnerschaft darf das bedeuten, dem anderen zu zeigen, was uns guttut und was wir brauchen. Nicht als Forderung, sondern als Einladung, einander besser zu verstehen und sich gegenseitig Gutes tun zu können.
Gute Fragen. Widerstand. Weiterforschen.
„Es ist extrem hilfreich, wenn gute Fragen vom Gegenüber kommen.“
Pirmin beschreibt meine Art der Begleitung als authentisch und angenehm. Die Fragen helfen ihm, in sich einzutauchen. Er fühlt sich abgeholt und nimmt mein Mitgefühl wahr. Gleichzeitig erlebt er die Arbeit mit Erinnerungen und Gefühlen durchaus als intensiv.
Das Spannende dabei: Wenn wir beginnen, unbewusste Mechanismen sichtbar zu machen, können Widerstände auftauchen. Fast so, als wolle etwas in uns lieber unentdeckt bleiben. Und das ergibt durchaus Sinn. Diese Mechanismen sind nicht einfach „schlecht“. Sie haben einmal eine wichtige Aufgabe übernommen und uns geholfen, mit Situationen umzugehen, die wir damals nicht anders bewältigen konnten.
Never change a running system.
Nur sind wir heute erwachsen. Was damals hilfreich oder sogar notwendig war, muss heute nicht mehr unbewusst unser Denken, Fühlen und Handeln bestimmen.
Wenn der Kopf keine Antwort findet
Ausgerechnet bei Pirmins Einzigartigkeit – der ersten von drei Essenzen seiner Lebensaufgabe – geht es nicht einfach weiter.
Widerstände zeigen sich.
Verschiedene Wörter und Formulierungen tauchen auf. Aber dieses klare innere „Ja. Das bin ich.“ stellt sich nicht ein.
Pirmin bemerkt, wie er versucht, die Antwort über den Kopf zu finden. Doch genau hier stößt der Verstand an seine Grenzen. Im Essenz-Modell bewegen wir uns mit der Lebensaufgabe auf einer anderen Ebene:
Die Lebensaufgabe ist Seelensprache.
Sie lässt sich nicht einfach ausdenken oder logisch herleiten. Wir können einen Raum schaffen, Fragen stellen, wahrnehmen, fühlen – und aufmerksam werden für das, was aus der Tiefe auftaucht.
Zwischendurch würde Pirmin am liebsten aufhören und es später noch einmal versuchen.
Aber er bleibt dran. Er forscht weiter.
„Wir öffnen Türen. Manchmal liegt dahinter sofort etwas. Manchmal beginnt dort erst die Forschungsreise.“
„Bei mir hat sich vieles bewegt.“
Pirmin beschreibt am Ende unserer gemeinsamen Reise, dass Erinnerungen wieder wach geworden sind und Dinge, die bereits einmal da waren, plötzlich in einem neuen Licht erscheinen.
Auch seine Formulierung seiner Urwunde beginnt sich noch einmal zu verändern.
„Ich bin nicht richtig.“
wird mehr zu
„Ich bin nicht gut genug.“
Ähnlich – und doch nicht dasselbe. Pirmin selbst sagt:
„Dieser kleine Unterschied macht eben doch noch einmal einen Unterschied.“
Und genau darin zeigt sich für mich der eigentliche Wert für den Alltag.
Wenn eine schwierige Situation auftaucht, kann Pirmin beginnen zu beobachten: Was passiert hier gerade wirklich in mir? Was wurde berührt? Welche alte Geschichte läuft im Hintergrund?
Statt sich vollständig in der aktuellen Situation und den damit verbundenen Emotionen zu verlieren, kann er versuchen, das Erlebte auf die darunterliegende Essenz – seine Urwunde – zurückzuführen.
Dieses Bewusstsein schafft einen neuen Spielraum.
Einen Raum zwischen Trigger und Reaktion.
Und in diesem Raum entsteht die Möglichkeit, nicht mehr ausschließlich aus einer alten, unbewussten Mechanik heraus zu handeln, sondern achtsamer und bewusster zu reagieren.
Genau darin liegt für mich auch die Chance, vertraute Opfer-Täter-Dynamiken zunehmend zu erkennen und zu unterbrechen.
Erwachsen werden. Emotionale Sicherheit bieten können. Verantwortung übernehmen. Frieden.
Die Reise endet. Die Forschung nicht.
Pirmin sagt selbst noch während des Wochenendes, dass er nicht sicher ist, ob die gefundene Urwunde tatsächlich schon der endgültige Kernsatz ist. Die Lebensaufgabe ist nicht fertig formuliert. Gleichzeitig tauchen weitere Erinnerungen und Aspekte auf.
Drei Tage müssen nicht alle Antworten liefern.
Vielleicht ist das auch gar nicht ihre Aufgabe. Sie können einen Raum öffnen, in dem etwas sichtbar wird. Einen Beobachter aktivieren. Zusammenhänge zeigen, die vorher unbewusst waren. Und wenn die Reise nach Hause beginnt, kann die eigentliche Forschung weitergehen:
im eigenen Leben.
"Trotz allem hat es viel Spaß gemacht, wieder an mir zu forschen, auf meine Reise zu gehen."
Keine Theorie, sondern Praxis.
Kein Workshop, sondern echtes Sein.
Essenziellen Dialog erleben und Frieden mit deiner Beziehung (auch die zu dir selbst) kreieren.
Kontakt
Du hast Fragen oder Anregungen, dann schreibe mir gerne.
Ljubomir – Coach des Essenz-Modells